Anna Hackl

Anna HacklAnna Hackl
Zeitzeugin der „Mühlviertler Hasenjagd“

Anna Hackl, geboren 1931, lebt in Schwertberg.
Ihre Familie gewährt in der Zeit des Nationalsozialismus geflohenen KZ-Insassen Unterschlupf.

Anna Hackl – Mädchenname Langthaler – ist dreizehneinhalb Jahre alt, als zwei Entflohene anklopfen und ihre Mutter Maria um Hilfe bitten. Unter Todesangst versteckt die Familie die beiden bis zum Kriegsende. Drei unendlich lange Monate. “Die SS (Schutzstaffel) hätte uns alle umgebracht, wenn sie die beiden gefunden hätte”, sagt Anna Hackl.

Die auf einem Bauernhof in Winden/Schwertberg lebende Familie Langthaler gewährt Anfang Februar 1945 zwei russischen Gefangenen, Michail Rybtschinskij und Nikolai Zimkolo die mit rund 400 anderen Häftlingen aus dem KZ Mauthausen entfliehen, lebensrettenden Beistand.

Unter Lebensgefahr für die ganze Familie verbringen die beiden Flüchtlinge drei Monate im Heustadl. Die Männer werden auch nicht verraten, als SS und Volkssturm zum Bauernhof kommen. Nur wenige flüchtende KZ-Häftlinge überleben ihre Flucht bei eisigen Temperaturen und ständiger Verfolgung.
Die meisten geflohenen Offiziere werden aufgegriffen und an Ort und Stelle erschossen. Die Ereignisse gehen als „Mühlviertler Hasenjagd“ in die Geschichte ein.

Im Mai 1964 kommt es zu einem emotionalen Treffen von Anna Hackls Familie und den beiden Russen, hervorgerufen durch einen russischen Zeitungsartikel.
Andreas Gruber verarbeitet 1994 in seinem Film „Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“ Szenen aus der Heldentat der Familie Langthaler. “Bis dahin war das Thema in der Öffentlichkeit tabu”, sagt die fünffache Mutter und sechsfache Oma. Ein persönliches Urteil über die Taten von SS, Volkssturm und Zivilisten, die vor 70 Jahren zu grausamen Mördern wurden, verbittet sie sich.

Anna Hackl geht seit vielen Jahrzehnten jährlich in rund 30 Schulen und erzählt jungen Menschen über die Schrecken und Schwierigkeiten der Kriegszeit. Als “Mahnerin für gelebte Nächstenliebe”, erhält sie 2005 den Menschenrechtspreis des Landes OÖ.
Und als solche erzählt sie ihre Geschichte, “so lange ich das kann”.

Die Republik Österreich ehrt Anna Hackl 2011 mit dem Goldenen Ehrenzeichen.

Literatur:
Anna Hackl: Als Kind erlebte ich das, was später einmal als die Mühlviertler Hasenjagd bekannt werden sollte, in: Eurojournal Linz-Mühlviertel-Böhmerwald, 8. Jahrgang, Heft 2, 2002
Walter Kohl: Auch auf dich wartet eine Mutter – Die Familie Langthaler inmitten der Mühlviertler Hasenjagd, Verlag Steinmaßl, Edition Geschichte der Heimat, Grünbach 2005, ISBN 3902427248

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