Olympe des Gouges

Olympe de GougesMarie-Olympe de Gouges
1748 – 1793

 

Marie-Olympe de Gouges formulierte 1791 das erste feministische Grundrechte-Manifest, das männliche und weibliche Menschen gleichberechtigt unter den Schutz der Verfassung stellen sollte. 200 Jahre später wurde dieses Dokument zur Grundlage einer nach wie vor weltweit geführten Debatte : „Menschrechte haben (k)ein Geschlecht!“

Olympe de Gouges wurde am 7. Mai 1748 als Marie Gouze in Montauban (Südfrankreich) geboren. Im Taufregister als Tochter des Metzgers Pierre Gouze und dessen Ehefrau Anne-Olympe eingetragen, war sie in Wirklichkeit die uneheliche Tochter des angesehenen adeligen Dichters Pompignan. Sie litt zeitlebens darunter, dass sich dieser nie zu ihr bekannte, was sie von einer standesgemäßen Ausbildung ausschloss. Im Kloster der Ursulinen in Montauban lernte sie als Mädchen – für die damalige Zeit typisch – kaum lesen und schreiben und verharrte in ihrem Dialekt, ohne die französische Sprache richtig zu beherrschen. Als Sechzehnjährige wurde sie mit dem Metzger und Gastwirt Louis-Yves Aubry zwangsverheiratet. Bald nach der Geburt ihres Sohnes Pierre 1766 wurde sie Witwe, zog nach Paris und nannte sich fortan Marie-Olympe de Gouges. Die Zeit bis zur Publikation ihres ersten Briefromans 1784 nutzte sie zur intensiven Weiterbildung, Kultivierung des Französischen und Entfaltung ihres rhetorisch ironischen Talents. Sie erlangte den Status einer gutsituierten Bürgerin und damit den Zugang zu den Salons der Pariser Gesellschaft.
Ihre eigene Lebensgeschichte, ihr scharfer Verstand und ihr Mut machten Olympe de Gouges zu einer der politisch aktivsten Frauen des ausgehenden 18. Jhs. Zeit ihres Lebens kämpfte sie gegen die Ungerechtigkeiten, wie sie ihr als Mädchen widerfahren waren. Als begeisterte Anhängerin der Französischen Revolution verfasste sie tagesaktuelle Wandzeitungen, politische Pamphlete und offene Briefe zu sozialen Fragen. Auf ersten heftigen Widerstand der neuen Machthaber stieß sie mit ihrem Engagement gegen die Sklaverei. Ihre Gegnerschaft wurde noch größer, als sie daranging, den faktischen Ausschluss der Frauen von den Errungenschaften der Revolution öffentlich zu thematisieren und zu kritisieren. Sie mahnte nicht nur die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Privatbereich ein, sondern verlangte von der Nationalversammlung, die Menschrechtserklärung von 1789 um die von ihr 1791 verfasste Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin zu erweitern. Auch Frauenrechte sollten Menschenrechte sein.
Damit war Olympe de Gouges zur Feindin der Revolution geworden. Zuvor noch deren vielgepriesene Unterstützerin wurde sie nun als „schamloses Mannweib, die Frauengesellschaften gründete, ihren Haushalt vernachlässigte, politisieren wollte und Verbrechen beging“ diffamiert. Am 3. November 1793 wurde Olympe de Gouges wegen Missachtung der Volkssouveränität und Verleumdung ihrer Vertreter zum Tode verurteilt, weil sie öffentlich die Legitimität der nur aus Männern bestehenden Nationalversammlung angezweifelt hatte.
Der Name Olympe des Gouges steht heute für eines der bedeutsamsten Dokumente der Menschenrechte aus der Feder einer Frau. Die fast zweihundertjährige Unterschlagung dieses Dokuments entlarvt ein weiteres Stück androzentrischer Geschichte.

Literatur findet sich in der Bibliothek des Instituts für Österreichische und Deutsche Rechtsgeschichte der JKU Linz (http://www.jku.at/UB/content/e633/e528/e499/).

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