Bergpredigt

bon_bio_bergpredigt„Wenn ich mit der Bergpredigt wirklich anfinge, ernst zu machen …“


„Ich glaube zu wissen, dass ich erst innerlich klar und aufrichtig sein würde, wenn ich mit der Bergpredigt wirklich anfinge, ernst zu machen… Es gibt doch nun einmal Dinge, für die es sich lohnt, kompromisslos einzustehen. Und mir scheint, der Friede und die soziale Gerechtigkeit, oder eigentlich Christus sei so etwas.“
(Dietrich Bonhoeffer, Brief an seinen Bruder Karl-Friedrich, 1935)

Am 5. September 1930 schifft sich Dietrich Bonhoeffer nach Amerika ein. Da er mit seinen 24 Jahren für die Ordination zum evangelischen Pfarrer noch zu jung ist, kommt ihm ein Stipendium am berühmten Union Theological Seminary in New York wie gerufen. Und wie schon einige Jahre zuvor in Rom, bekommt er in der Begegnung mit einer anderen Welt und einer anderen Kirche die entscheidenden Anstöße für die nächsten Jahre.
Dietrich ist von New York überwältigt. Bald aber sieht er auch die andere Seite: Die Arbeitslosigkeit ängstigt die Menschen. Seit dem großen Bankenkrach von 1929 hat eine große Depression eingesetzt, die bis heute schwerste Erschütterung des industriellen Systems.
Das Union Theological Seminary ist ein theologisches Institut, an dem Studenten verschiedener Konfessionen aus Amerika und anderen Ländern studieren. Reinhold Niebuhr ist einer der profiliertesten Professoren des Seminars. Die von ihm und seinen Kollegen vertretene Theologie orientiert sich am „social gospel“, an der Einsicht, dass das Evangelium eine soziale und politische Dimension hat. Heute setzt die „Theologie der Befreiung“ die Tradition des „social gospel“ fort.
Gleich in der Nähe des Union Theological Seminary liegt Harlem. Durch Freunde, insbesondere durch den schwarzen Mitstudenten Frank Fisher, lernt Dietrich Bonhoeffer die Situation der schwarzen Bevölkerung in den Ghettos kennen. Und die Ladenkirchen in den Slums, die noch heute Gottesdiensträume und Selbsthilfezentren zugleich sind.
Mit einem weiteren Mitstudenten schließt Dietrich enge Freundschaft: Der französische Pfarrer Jean Lasserre ist Pazifist. Seine Einstellung leitet er aus der Bergpredigt, aus der Seligpreisung der Friedensstifter und der Forderung der Feindesliebe ab. Wie sehr Bonhoeffer diese Ansichten des Freundes beeindrucken, zeigt sein weiterer Lebensweg. Einige Jahre später bekennt er in einem Brief an seinen ältesten Bruder Karl-Friedrich, dass ihm durch die Begegnung mit dem Freund erst der Ernst des Christseins richtig aufgegangen sei.

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