Fragmentarisches Leben

bon_bio_fragleben„Dann wollen wir uns auch über unser fragmentarisches Leben nicht beklagen.“


„Es kommt wohl nur darauf an, ob man dem Fragment unseres Lebens noch ansieht, wie das Ganze eigentlich angelegt und gedacht war und aus welchem Material es besteht. Es gibt schließlich Fragmente, die nur noch auf den Kehrichthaufen gehören, und solche, die bedeutsam sind auf Jahrhunderte hinaus, weil ihre Vollendung nur eine göttliche Sache sein kann, also Fragmente, die Fragmente sein müssen – ich denke z. B. an die Kunst der Fuge.
Wenn unser Leben auch nur ein entferntester Abglanz eines solchen Fragmentes ist, in dem wenigstens eine kurze Zeit lang die sich immer häufenden, verschiedenen Themata zusammenstimmen, und in dem der große Kontrapunkt vom Anfang bis zum Ende durchgehalten wird, so dass schließlich nach dem Abbruch höchstens noch der Choral: „Vor deinen Thron tret ich allhier“ intoniert werden kann, dann wollen wir uns auch über unser fragmentarisches Leben nicht beklagen, sondern sogar daran froh werden.“
(Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung)

Am 8. Oktober 1944 wird Bonhoeffer in das berüchtigte Gestapo-Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße überstellt, um ihn für weitere Vernehmungen „aufzusparen“. Am 7. Februar 1945 bringt man ihn in das KZ Buchenwald bei Weimar.
Am 5. April 1945 fällt in einer Mittagsbesprechung bei Hitler die Entscheidung, dass die Verschwörergruppe um Canaris die Niederlage nicht überleben soll.
Hans v. Dohnanyi wird am 8. oder 9. April 1945 im KZ Sachsenhausen ermordet. In der Nacht zwischen diesen beiden Tagen wird Bonhoeffer in das KZ Flossenbürg/Oberpfalz geholt. Am frühen Morgen des 9. April 1945 wird Dietrich Bonhoeffer zusammen mit Admiral Canaris, Oberst Oster und anderen Mitgliedern der Widerstandsgruppe in Flossenbürg gehängt.

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