Ökumene

bon_bio_oekumeneDie Ökumene und der bedrohte Friede


„Noch einmal darum: Wie wird Friede? Wer ruft zum Frieden, dass die Welt es hört, zu hören gezwungen ist? … Nur das eine große ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt kann es so sagen, dass die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muss und dass die Völker froh werden, weil diese Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt.“
(Bonhoeffer auf der Konferenz in Fanö)

Im August 1934 findet auf der dänischen Insel Fanö eine ökumenische Jugendkonferenz statt. Deutschland ist inzwischen ein nationalsozialistischer Polizeistaat mit Tausenden von politischen Gefangenen geworden. Es wird aufgerüstet, man erwartet für die nächste Zeit die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Dietrich Bonhoeffer, einer der Organisatoren der Konferenz, sieht sich in seinen Befürchtungen bestätigt: „Hitler bedeutet Krieg!“ Die Ökumene tritt für Bonhoeffer durch den Studienaufenthalt in New York in den Mittelpunkt seines kirchlichen und theologischen Interesses. Das Bemühen der christlichen Kirchen um die Einheit des Glaubens und der Praxis steht bei ihm von Anfang an im Zusammenhang mit den Bemühungen um die Erhaltung des bedrohten Friedens. Als Jugendsekretär des „Internationalen Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen“ – eine der Vorläuferorganisationen des Ökumenischen Rates der Kirchen organisiert er eine Reihe von Konferenzen mit. Sie befassen sich immer wieder mit der Friedensarbeit der Christen. Die auf diesen Konferenzen aufgenommenen Bilder, z.B. im schweizerischen Gland (1932) oder auf Fanö vermitteln Ferienstimmung. Doch der Eindruck täuscht. Die Betätigung im Rahmen der Ökumene wird in Deutschland als anrüchig betrachtet.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten versucht Bonhoeffer, die Vertreter der Kirchen in den ökumenischen Organisationen für eine klare Stellungnahme gegen die offizielle Reichskirchenregierung und das Deutsch-Christentum zu gewinnen. Diese können sich jedoch nicht dazu durchringen, so dass Deutschland auf den ökumenischen Zusammenkünften sowohl durch die Bekennende Kirche als auch durch die Reichskirche und neutrale Lutheraner vertreten ist.
Zur Konferenz nach Fanö kommt Dietrich Bonhoeffer aus London angereist, wo er seit Oktober 1933 Pfarrer zweier deutschsprachiger Gemeinden ist. Er hatte dieses Auslandspfarramt aus Enttäuschung über die anfangs unentschlossene innerkirchliche Opposition gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung übernommen. In London hält Bonhoeffer engen Kontakt zu George Bell, dem Bischof von Chichester. Es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen beiden. Von England aus will Bonhoeffer dann noch nach Indien reisen, um Mahatma Gandhi, den Vorkämpfer des gewaltlosen Widerstandes, zu besuchen. Er hat bereits eine Einladung von ihm. Da wird er von der Bekennenden Kirche nach Deutschland zurückgerufen.

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