Bekenne

bon_bio_bekenne„Bekenne, bekenne, bekenne!“

„Es heißt Entscheidung, es heißt Scheidung der Geister … Kommt, ihr … allein Gelassenen, die ihr die Kirche verloren habt, wir wollen wieder zurück zur Heiligen Schrift, wir wollen zusammen die Kirche suchen gehen … Kirche, bleibe Kirche! Bekenne, bekenne, bekenne!“
(Dietrich Bonhoeffer in einer Predigt 1933)

Am 30. Jänner 1933 wird Adolf Hitler von Reichspräsident v. Hindenburg zum deutschen Reichskanzler ernannt. Zwei Tage danach hält Hitler seine erste Radiorede an das Volk. Am selben Tag ist im Rundfunk auch ein Vortrag Dietrich Bonhoeffers angesetzt. Thema: „Der Führer und der einzelne in der jungen Generation.“ Bonhoeffer kann seinen Rundfunkbeitrag nicht zu Ende führen. Die Sendeleitung schaltet vorher ab.
Am 27. Februar brennt in Berlin der Reichstag. Tags darauf erscheint die „Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat“. Sie bleibt für die nächsten zwölf Jahre in Kraft und bildet die „gesetzliche“ Grundlage für den nun einsetzenden nationalsozialistischen Terror. Mit ihr sind Beschränkungen der wichtigsten Grundrechte verbunden: Eingriffe in das Recht der freien Meinungsäußerung, in die Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit und in das Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis. Ebenso werden Anordnungen von Hausdurchsuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums möglich.
Während es mit der Katholischen Kirche am 20. Juli 1933 zum Abschluss eines Konkordats kommt, versucht der nationalsozialistische Staat, die Evangelische Kirche mit Hilfe der „Deutschen Christen“, einer der NSDAP nahe stehenden Gruppierung, gleichzuschalten. Unter dem Einfluss der „Deutschen Christen“ wird der Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Landeskirchen zu einer zentralistischen Reichskirche betrieben. Bei kurzfristig angesetzten Kirchenwahlen erringen die „Deutschen Christen“ einen überwältigenden Sieg. Auf der „Braunen Synode“ der Preußischen Landeskirche wird der Arierparagraph für Geistliche eingeführt. Am 27. September 1933 wählt die Deutsche Nationalsynode den Marinepfarrer Ludwig Müller in Wittenberg zum deutschen Reichsbischof.
Gegen diese Eingriffe in die inneren Angelegenheiten der Kirche und die weitgehende Übernahme der nationalsozialistischen Ideologie durch die „Deutschen Christen“ formiert sich die innerkirchliche Opposition, zu der auch Dietrich Bonhoeffer gehört. Aus ihr geht die Bekennende Kirche hervor, die sich in den Bekenntnissynoden von Wuppertal-Barmen Anfang 1934 und Berlin-Dahlem im Oktober 1934 entschieden vom Deutsch-Christentum abgrenzt. Die maßgeblichen Repräsentanten der Bekennenden Kirche sind Karl Barth und der Pfarrer von Dahlem, Martin Niemöller. Von Barth stammen die Formulierungen der Barmer Erklärung, die die alleinige Bindung des Glaubens und der Kirche an „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird“, bekräftigt. Martin Niemöller gründet den „Pfarrernotbund“, dessen Ziel die – auch finanzielle – Unterstützung der von deutschchristlichen Kirchenbehörden gemaßregelten oder vom Arierparagraphen betroffenen Pfarrer ist.

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