Hinrichtung

bon_bio_hinrichtung„Trennung von Menschen… von der Vergangenheit… von der Zukunft…“


„Trennung von Menschen… von der Arbeit… von der Vergangenheit… von der Zukunft… von der Ehe… von Gott… Ungeduld… Sehnsucht… Langeweile… krank… tief einsam… Selbstmord, nicht aus Schuldbewusstsein, sondern weil ich im Grunde schon tot bin, Schlussstrich, Fazit… Überwindung im Gebet.“
(Dietrich Bonhoeffer, Notizen aus der Haft)

Die Tätigkeit der Widerstandsgruppe, mit der Bonhoeffer zusammenarbeitet, reicht bis in die Zeit vor Beginn des Zweiten Weltkrieges zurück. Sie unterhält enge Kontakte zu Carl Friedrich Goerdeler und anderen deutschen Oppositionellen. Anfängliche Pläne der Verschwörer, Hitler zu verhaften und aburteilen zu lassen, können nicht realisiert werden. Die militärischen Erfolge der ersten Kriegsjahre machen einen Staatsstreich unmöglich. Die weiterhin ungebrochene Loyalität großer Teile der Bevölkerung und des Militärs gegenüber Hitler führen zum Plan, ihn zu töten, um die Voraussetzung für die Zerschlagung des NS-Herrschaftsapparats zu schaffen. Doch alle Attentate auf Hitler misslingen.
Nach zwei fehlgeschlagenen Attentatsversuchen im März 1943, in die die Widerstandsgruppe um Canaris involviert ist, wird Dietrich Bonhoeffer am 5. April 1943 im Haus seiner Eltern in Berlin verhaftet. Zur selben Zeit nimmt die Gestapo auch seinen Schwager Hans v. Dohnanyi und seine Schwester Christine, die Frau v. Dohnanyi, fest. Bonhoeffer wird in das Militärgefängnis Tegel eingeliefert. In den ersten Tagen der Haft plagen ihn starke Gefühle der Ohnmacht, Einsamkeit und Angst vor der Folter.
Zusammen mit v. Dohnanyi und Dr. Müller, einem anderen Mitarbeiter der Abwehrstelle in München, soll Bonhoeffer wegen Landes- und Hochverrats der Prozess gemacht werden. Die durch Oberstkriegsgerichtsrat Roeder geführten Untersuchungen bringen jedoch keine Fakten zutage, die eine solche Anklage rechtfertigen. Familie und Freunde helfen, zur Verschleierung des wahren Tatbestandes ein Netz der Tarnung zu knüpfen, das bis zum 20. Juli 1944 hält. Die codierten Nachrichtenübermittlungen zur gemeinsamen Absprache von Verhöraussagen funktionieren. Der Prozess wird hinausgeschoben.

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