Jugend

bon_bio_jugendEine Berliner Jugend

„Ich erinnere mich auch noch des leidenschaftlichen Entrüstungsausbruchs meines Freundes Bonhoeffer … ich erinnere mich, dass er fragte, wo es denn mit Deutschland hinkommen solle, wenn man ihm seine besten Führer ermorde. Ich erinnere mich daran, weil ich es bewunderte, dass man so genau wissen konnte, wo man stand.“
(Ein Mitschüler Bonhoeffers)

Am 24. Juni 1922 hören die Schüler des Berliner Grunewald-Gymnasiums Schüsse von der nahe gelegenen Königsallee. Wenig später erfahren sie, dass Walther Rathenau, Außenminister der Weimarer Republik, von Angehörigen einer rechtsextremen Organisation erschossen worden ist. Einer der Gymnasiasten ist der 16jährige Dietrich Bonhoeffer. Der verlorene Erste Weltkrieg verändert die Verhältnisse in Deutschland grundlegend. Nach der Revolution von 1918 wird Kaiser Wilhelm II ins Exil geschickt und die Weimarer Republik ausgerufen. Doch der erste deutsche demokratische Staat ist nicht stabil. Beim Heer, in der Verwaltung und Justiz halten sich die Anhänger der Monarchie. Zusammen mit den neuen rechtsextremen Gruppen wollen sie das Rad der Geschichte zurückdrehen. Auf den Straßen und in den Betrieben drängen große Teile der Arbeiterbewegung auf die soziale Revolution.Zwischen den radikalen Positionen der Rechten und Linken können sich die Sozialdemokraten und bürgerlichen Parteien nur mühsam behaupten. Dazu kommt, dass der Friedensvertrag von Versailles (1919) von der deutschen Bevölkerung vielfach als ungerecht empfunden wird. Walther Rathenau gehört zu den Politikern, die diesen Vertrag anerkennen – für die extreme Rechte ein „Erfüllungspolitiker“, der beseitigt werden muss.1912 zieht die Familie Bonhoeffer nach Berlin um. Der Vater übernimmt den führenden Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie in Deutschland und zugleich die Leitung der Charité, der berühmten Königlich-Preußischen Universitätsnervenklinik. Ab 1916 wohnt die Familie im Stadtteil Grünewald, einem vornehmen Viertel mit vielen Professoren und Intellektuellen. Es leben hier unter anderem der bekannte liberale Theologe Adolf v. Harnack und der spätere Nobelpreisträger für Physik, Max Planck.Auch für die Bonhoeffers bedeutet der Erste Weltkrieg einen tiefen Einschnitt. Der älteste Sohn, Walter stirbt im letzten Kriegsjahr nach schwerer Verwundung. Auf die neue politische Situation nach dem Ende des Krieges versucht man sich einzustellen: Man teilt zwar die allgemeine Ablehnung des Versailler Vertrags, respektiert aber die neue demokratische Ordnung.

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