Kirche

bon_bio_kirche„Ich fange an, den Begriff Kirche zu verstehen.“


„Der Tag war herrlich gewesen, der erste Tag, an dem mir etwas Wirkliches vom Katholizismus aufging, nichts von Romantik usw., sondern ich fange, glaube ich, an, den Begriff ‘Kirche´ zu verstehen.“
(Dietrich Bonhoeffer, Italienisches Tagebuch)

Der Studienbeginn des gerade 17jährigen Dietrich im Jahr 1923 fällt mit dem Höhepunkt einer schweren Wirtschaftskrise in Deutschland zusammen. Die Finanzierung der Reparationen und der anderen Folgekosten des verlorenen Krieges mit Hilfe der Notenpresse löst eine Inflation aus, die völlig außer Kontrolle gerät. Die Arbeitslosigkeit steigt. Eine Währungsreform kann schließlich die Mark stabilisieren. Doch die wirtschaftliche Erholung geht vor allem auf Kosten des Mittelstandes, der einen Großteil seines Vermögens verliert, und auf Kosten sozialer Einrichtungen wie der Rentenfonds.

Das Studium wird für Dietrich Bonhoeffer zu einer Zeit der Selbstfindung, in der die wirtschaftlichen und politischen Krisen der Weimarer Republik nur am Rande eine Rolle spielen. Seine Entscheidung, Theologie zu studieren, kommt für die Familie überraschend. Trotz der zahlreichen Theologen in der Verwandtschaft der Mutter sind bei den Bonhoeffers doch eher naturwissenschaftliche und juristische Studienrichtungen und Berufe üblich. Nach den ersten Semestern in Tübingen setzt Dietrich das Studium in seiner Heimatstadt fort: Berlin entwickelt sich gerade in diesen Jahren zur Weltstadt und europäischen Kulturmetropole.
Von den theologischen Lehrern üben auf den jungen Studenten Adolf Schlatter, Professor für Neues Testament in Tübingen, und Adolf v. Harnack den größten Einfluss aus. Den reformatorischen Theologen Karl Barth, der nach dem Ersten Weltkrieg mit seiner „Dialektischen Theologie“ in Theologenkreisen Aufsehen erregt, lernt Bonhoeffer erst später kennen.
Schon zu Beginn seines Studiums hat Bonhoeffer während eines Romaufenthaltes das Hauptthema seines theologischen Denkens entdeckt: die Kirche. Eine Entdeckung, die ihren ersten literarischen Niederschlag in der Doktorarbeit „Sanctorum Communio – Eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche“ findet. „Christus in der Gemeinde existierend“ ist der Leitgedanke dieser frühen Arbeit. Nach Abschluss seines Studiums geht Bonhoeffer 1928 für ein Jahr nach Barcelona. Hier kann er als Vikar in einer deutschsprachigen Auslandsgemeinde Erfahrungen mit der konkreten Kirche sammeln.

Facebook
Facebook
Google+
Google+
https://www.esh.jku.at/bonhoeffer/biographie/kirche">
SHARE